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Trapezspitze vom Plan de Frea

Trapezspitze vom Plan de Frea

Meist haben sich von der Ausrüstung der mittelsteinzeitlichen Jäger Europas nur die Geschossspitzen aus Silex erhalten. Organische Bestandteile wie etwa hölzerne Schäfte sind hingegen vergangen.

Die querschneidige Pfeilspitze aus milchig-weißem Silex stammt vom Fundort Plan de Frea in den Alpen. Fundstelle ist ein Felsdach an einem großen Felsblock. Die Erdschicht, aus der die Pfeilspitze stammt, ist C14 datiert. Demnach hielten sich um 60005700 v. Chr. Jägergruppen unter dem Felsdach auf.

Silex – kein gewöhnlicher Stein

Silex ist der Fachbegriff für Feuerstein. Das Gestein ist organischen Ursprungs und besteht unter anderem aus den Skeletten und Schalen von Kieselschwämmen und Kieselalgen. Es ist ein sehr hartes Material, dessen Spaltbarkeit sich gut berechnen lässt. Beim Spalten von Silex entstehen außerdem messerscharfe Schlagkanten. Gerade diese Materialeigenschaften machten Silex zum wichtigsten Rohstoff der europäischen Steinzeit, aus denen die Menschen über Jahrtausende hinweg ihre Werkzeuge und Waffen herstellten.
 

Silex – schlagen, punchen, drücken

Die Gerätehersteller der europäischen Steinzeit bedienten sich unterschiedlicher Techniken zur Bearbeitung von Silex. Ausgangspunkt der Produktion ist stets ein Kernstein, von dem Abschläge oder Klingen abgetrennt werden. Diese verarbeitete man später zu Geräten wie die querschneidige Pfeilspitze vom Plan de Frea weiter.
Für die Herstellung verhältnismäßig großflächiger Abschläge genügte es, mit einem Schlagstein direkt auf die Schlagfläche des Kernsteins zu treffen. Bei der Produktion von Klingen ist hingegen der Einsatz eines Zwischenstückes aus Geweih oder Holz von Vorteil. Bei dieser Punchtechnik oder Meißeltechnik erfolgt der Schlag mit einem Schlägel. Dadurch lässt sich der Kernstein gezielter bearbeiten.
Für die Weiterverarbeitung der Abschläge und Klingen kamen Drucktechniken zum Einsatz.
Mit Hilfe eines Retuscheurs aus Stein, Geweih oder Knochen lassen sich etwa kleinste Absplisse abdrücken, um die Kanten der Geräte für die Schäftung zu präparieren.
Mit den fertigen Geräten konnte man das Fleisch der Jagdbeute zerlegen, Sehnen durchtrennen oder Felle schaben. Auch bei der Holzbearbeitung zur Herstellung von Pfeilschäften, Bögen oder Speeren kamen die Silexgeräte zum Einsatz.
  

Ein Leben auf Achse

Die Jagd als Lebensgrundlage erforderte von den im Alpenraum lebenden Menschen der Mittelsteinzeit periodische Wechsel ihrer Wohnplätze. Den Winter verbrachten die Clans in den Talniederungen und Mittelgebirgslagen. Im Sommer folgten sie dem Wild oft in das Hochgebirge. Ihre Unterkünfte errichteten sie bevorzugt in der Nähe von Quellen, Bächen und Seen.
Als Wohnstätten dienten Felsdächer, unter denen Unterstände errichtet wurden. Auf Hochebenen bauten sich die Familien aus Ästen, Zweigen und Leder einfache Schutzwände oder Zelte. Solche Freilandstationen und Jägerrastplätze finden sich auf Bergrücken oder Passübergängen, von wo aus der Wildwechsel beobachtet werden konnte.
 

Wohnkomfort unterm Felsdach: Plan de Frea

Jahrtausende lang zogen mittelsteinzeitliche Jagdgruppen während der Sommermonate in die Hochgebirgsregionen der Alpen. So auch zu einem großen Felsen am Plan de Frea. Die nahezu ebene Wiese liegt wenig unterhalb des Grödner Joches in 1900 m Höhe.
Die Felsdächer des mächtigen Steines dienten über 2000 Jahre lang als Wohnplatz. Zusätzlichen Schutz boten Wände aus Flechtwerk. Dazu lehnte man große Äste oder Baumstämme gegen die Felsen. Am Boden verkeilte man ihre Enden in Pfostenlöchern. Das Flechtwerk selbst bestand aus Ästen und Zweigen. Die so geschaffene Unterkunft im Schutz des Felsens war etwas in den Boden eingetieft. Diese Wohngrube diente als Schlafplatz und bot Schutz vor Tieren und Unwettern. Gekocht wurde an einer einfachen Feuerstelle.
 

Archäologische Altersbestimmung organischer Stoffe

Mit der C14-Methode ist es möglich, das absolute Alter von organischen Stoffen wie Holz oder Knochen zu bestimmen. Alle Organismen nehmen zeit ihres Lebens C14, einen radioaktiven Kohlenstoff, in sich auf. Stirbt ein Organismus endet die Aufnahme von C14 und der instabile radioaktive Kohlenstoff beginnt zu zerfallen. Da die Halbwertzeit von C14 bekannt ist, lässt sich der Zeitpunkt des Absterbens berechnen.