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The reliquary from Säben

Der Reliquienbehälter von Säben

Während der Spätantike und dem Frühmittelalter breitet sich in Europa das Christentum rasch aus. Frühchristliche Kirchen werden gegründet. Viele von ihnen enthalten unter dem Altar einen Hohlraum für einen Reliquienbehälter. In der frühchristlichen Kirche von Säben fand sich ein solcher Behälter aus weißem Sandstein. Er ist 30 x 20 x 21 cm groß und datiert ins 5. oder 6. Jahrhundert n. Chr. Der Deckel und díe einst darin aufbewahrte Reliquie blieben nicht erhalten, da der Behälter zu einem späteren Zeitpunkt als Baumaterial für die Errichtung eines barocken Altares wieder verwendet wurde.


Reliquienverehrung


Bereits in der Spätantike setzte sich in Europa unter den Anhängern des Christentums die Reliquienverehrung durch. Sie steht im krassen Gegensatz zu den antiken Glaubensvorstellungen der Römer, bei denen die Berührung von Toten als unrein galt. Bei Reliquien handelt es sich meist um Körperteile oder persönliche Gegenstände von Heiligen oder Märtyrern. Ihre Leiber oder Skelette wurden oftmals exhumiert, zerteilt und anschließend auf die Kirchen verteilt. Die Echtheit vieler Reliquien darf allerdings angezweifelt werden.
Zur Aufbewahrung der Reliquien fertigte man eigene Behältnisse an. Diese Reliquienbehälter oder Reliquiare legten die Priester bei der Weihe einer Kirche in die Reliquienkammer, die sich meist unter dem Altartisch befand. Zu besonderen Anlässen wurde die Reliquie wieder hervorgeholt und konnte von den Gläubigen berührt werden.
  


Frühchristliche Kirchen


Ab dem 5. Jahrhundert n. Chr. entstanden in den Tälern südlich des Alpenhauptkammes erste frühchristliche Kirchen in den Siedlungen der einheimischen Bevölkerung. Diese errichteten ihre Dörfer bereits seit dem 4. Jahrhundert bevorzugt auf geschützten Anhöhen, da germanische Stämme immer wieder plündernd in die Alpen vordrangen. Zur Verteidigung statteten die Bewohner die als castra bezeichneten Höhensiedlungen mit mächtigen Wehrmauern aus. Gerade die Kirchenbauten innerhalb dieser castra belegen, dass man die wehrhaften Anlagen nicht nur zeitweise aufsuchte, sondern ständig bewohnte.
Die meisten frühchristlichen Kirchen in Mitteleuropa bestehen aus einem rechteckigen Kirchenschiff, in dem sich die Gläubigen aufhielten. Nach Osten hin schließt ein halbkreisförmiger oder eckiger Altarraum an. Typisch für frühchristliche Kirchen im Alpenraum ist eine gemauerte Priesterbank, die an der Wand des Altarraumes entlang zieht. Dort saßen die Priester. Kirchenschiff und Altarraum, das so genannte Presbyterium, waren durch halbhohe, hölzerne oder steinerne Chorschranken getrennt. Unter dem Altartisch befand sich mitunter eine Reliquienkammer. Im Gegensatz zu den aus Holz errichteten Wohnhäusern der Spätantike und des Frühmittelalters handelte es sich bei den Kirchen um Steinbauten. Kirchtürme waren zu jener Zeit nicht üblich.
  


Säben – ein spätantiker Bischofssitz


Auf dem markanten Klosterberg von Säben bei Klausen stand seit dem 5. Jahrhundert n. Chr. eine große frühchristliche Kirche mit daran angeschlossener Taufkirche. Spätestens im 6. Jahrhundert n. Chr. wurde Säben außerdem Bischofssitz. Der erste namentlich genannte Säbener Bischof Maternius nahm 572/577 n. Chr. an einer Synode im norditalienischen Grado teil. Im Jahr 590 unterzeichnete Bischof Ingenuin von Säben während einer weiteren Bischofsversammlung in Marano nahe dem norditalienischen Aquileia einen Brief. Über die Geschichte von Säben im 7. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts schweigen sich die Quellen hingegen aus. Erst mit Bischof Alim setzt die Quellenüberlieferung 769 n. Chr. wieder ein. Im 10. Jahrhundert wanderte der Bischof von Säben nach Brixen ab.
Die Gründung des Bistums Säben ging von Aquileia aus. Das verdeutlicht auch die frühchristliche Doppelkirche mit Taufraum, die in ihrer Architektur dem Vorbild der Kirche von Aquileia folgt.
Bereits seit der Gründung der ersten Kirche bestatteten einheimische Romanen bis 700 n. Chr. ihre Verstorbenen auf Säben. Ab dem frühen 7. Jahrhundert diente Säben zugewanderten Germanen ebenfalls als Begräbnisplatz.