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lastra in pietra

Die Steinplatte mit Seelenloch von Gratsch

Gegen Ende der Jungsteinzeit begannen die Menschen in Mitteleuropa ihre Verstorbenen in Gräbern zu bestatten, deren Wände aus großen Steinplatten bestanden. Eine solche rechteckige Steinplatte stammt aus Gratsch bei Meran. Sie ist knapp über einen Meter hoch und in drei Teile zerbrochen. Am oberen Rand ist die Platte durchlocht. Bei der ursprünglich kreisrunden Ausnehmung von 24 cm Durchmesser handelt es sich wahrscheinlich um ein so genanntes Seelenloch. Die Datierung der Platte ist umstritten, vermutlich reicht sie in das 4. Jahrtausend v. Chr. 

Fragen über Fragen

Die Fundumstände der Steinplatte von Gratsch nahe Meran geben einige Rätsel auf. Sie kam 1957 bei Bauarbeiten zum Vorschein. Zusammen mit einer weiteren gelochten Platte und vielen kleinen gemauerten Steinen bildete sie ein Grab, das aufgrund der C14-Datierung der Knochen der bestatteten Person der Spätantike angehört. Wurden die beiden Steinplatten in der Spätantike nur wieder verwendet? Gehörten sie ursprünglich zu zwei jungsteinzeitlichen Steinkammergräbern? Oder handelt es sich um spätantike Lochsteine, die ursprünglich in der Landwirtschaft Verwendung fanden? Fragen über Fragen, auf die es bisher keine gesicherten Antworten gibt.
 

Steinkisten und Steinkammern

Während der mittleren Jungsteinzeit nach der Mitte des 5. Jahrtausends v. Chr. bestatteten die Menschen in weiten Teilen Europas ihre Verstorbenen in Steinkistengräbern. In ihnen liegen die Toten in seitlicher Hockerstellung beziehungsweise Schlafstellung begraben. Dabei handelt es sich durchwegs um Einzelgräber. Die großen Steinkammergräber setzen sich gegen Ende der Jungsteinzeit durch. Sie erreichen Ausmaße von über 20 m Länge und mehreren Metern Breite. Ursprünglich lagen sie unter einem Erdhügel. Es handelt sich um Gemeinschaftsgräber, in denen mitunter über Jahrhunderte hinweg bestattet wurde. Kennzeichnend ist eine durchlochte Steinplatte an einer Stirnseite der Gräber. Die runde Öffnung ist als Eingang zu klein. Vermutlich diente sie während Opferhandlungen als Verbindung zwischen Lebenden und Toten. Daher bezeichnen Archäologen die Ausnehmung auch als „Seelenloch“. Allerdings gibt es keine konkreten Anhaltspunkte, um sie tatsächlich als „Tür“ für die Seelen der Verstorbenen zu deuten.
  

Megalithanlagen – ein vorwiegend europäisches Phänomen

Megalithanlagen entstehen in weiten Teilen des heutigen Westeuropas erstmalig im Laufe der Jungsteinzeit. Neben Steinkammergräber zählen Menhire, Steinreihen, Steinkreise und ausgedehnte Felsengräber dazu. Bekannt sind die Steinkreise von Stonehenge in Salisbury in England, die lang gezogenen Steinreihen von Carnac in der französischen Bretagne oder die Felsengräber „Domus de Janas“ auf Sardinien. Aus den südlichen Alpentälern sind zahlreiche menschengestaltige Steinstelen, so genannte Menhire bekannt.
 

Die Arbeit der Archäologen: Wenn der Befund nicht weiterhilft

Wie im Fall der Steinplatte von Gratsch ist der Befund von archäologischen Objekten nicht immer bekannt. Dies gilt beispielsweise für Oberflächenfunde, die ohne Beisein eines Archäologen zufällig von Wanderern entdeckt werden. Derartige Fundumstände liefern nur wenige Informationen zum Fundort selbst. So bleibt etwa die Frage offen, ob es sich bei der Fundstelle einst um eine Siedlung oder ein Gräberfeld gehandelt hat. Der Befund bleibt also unklar. Um dennoch das Alter eines Fundes bestimmen zu können, behelfen sich Archäologen mit Vergleichsstudien. Dabei werden die Funde mit entsprechenden Objekten aus anderen, besser dokumentierten Grabungen auf ihre Typologie, also ihre Machart und Gestalt hin verglichen. Zeitliche Einordnung, Zugehörigkeit zu einer Kulturgruppe und Verwendung lassen sich auf diese Art und Weise rekonstruieren.