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Die Lanzenspitze von Eppan-Gamberoni

Die Lanzenspitze von Eppan-Gamberoni

Die bronzezeitlichen Krieger Europas kämpfen ab der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. vermehrt mit Lanzen und Schwertern anstelle der älteren Streitäxte und Dolche. Bei der bronzenen, fast 25 cm langen Lanzenspitze aus der Siedlung Eppan-Gamberoni handelt es sich um eine so genannte Tüllenlanzenspitze. Ihre runde Tülle für den hölzernen Schaft ist mit zwei Nietlöchern durchbohrt, das Lanzenblatt an einer Seite schartig. Die Waffe stammt aus der Spätbronzezeit.

Bronze – der neue Rohstoff

Bronze ist eine Legierung bzw. eine Mischung, die zu 90 % aus Kupfer und 10 % Zinn besteht. Das daraus gewonnene Metall ist weitaus härter und damit leistungsfähiger als reines Kupfer. Mit Kupfer konnte sich die einheimische Bevölkerung selbst versorgen. In den Alpen gibt es ausgedehnte Erzlagerstätten. Den Abbau besorgten spezialisierte Bergknappen. Die Gewinnung erfolgte durch „Feuersetzen“. Da sich Erz und Gestein unter Hitzeeinwirkung unterschiedlich stark ausdehnen, sprengte die erhitzte Erzader das Gestein. Der Vorgang konnte durch Schreckabkühlung mit Wasser beschleunigt werden. Das so geborstene Gestein wurde mit Steinschlägel und Spitzhacke weiter zertrümmert.
Nahe der Erzvorkommen bauten die Bergknappen zahlreiche Schmelzöfen. Dort wurde das Erz zu Halbfabrikaten in Form von Gußkuchen und Barren verarbeitet, die in den Handel gelangten.
Der zweite Bestandteil von Bronze, das Zinn, musste hingegen von weit her transportiert werden. Die geografisch nächsten Abbaugebiete von Zinn befanden sich im Mittelmeerraum auf Sardinien und der Iberischen Halbinsel, im atlantischen Raum in der Bretagne und im Erzgebirge im heutigen Tschechien. Die Versorgung erfolgte durch Händler.
  

Unter die Lupe genommen: Vom Rohmaterial zur Lanzenspitze

Die Herstellung von Bronzeobjekten war sehr aufwendig. Zunächst musste das abgebaute Erz mit Mahlsteinen zerkleinert werden, um die metallhaltigen Anteile vom tauben Gestein zu trennen. Dieses Kupfererzmehl wurde daraufhin geröstet, um den Schwefelanteil im Erz zu verringern. Die Weiterverarbeitung geschah in Brennöfen. Darin stapelte man Erz und Holzkohle gemeinsam auf. Um die nötige Schmelztemperatur von über 1000°C zu erreichen, musste besonders auf eine ausreichende Frischluftzufuhr geachtet werden. Durch Tondüsen blies man mit Blasebälgen Frischluft in das Ofeninnere. Am Ende des Schmelzvorganges standen nahezu reine Kupferbarren (Gusskuchen) und als Abfallprodukt Schlacke.
Das Gießen der Bronze erfolgte in Gussformen aus Stein. Dazu füllten die Bronzegießer die Bronze in einen Tontiegel und erhitzten das Metall bis es flüssig wurde. Die noch heiße Schmelze leerten sie in eine Gussform. Für die Herstellung einer Lanzenspitze dienten Formen, bei denen beide Hälften mit einem Negativ versehen waren und deckungsgleich aufeinander liegen mussten. Erst nach dem Erkalten des Metalls konnte die Gussform wieder geöffnet werden um den Gussrohling weiter zu bearbeiten. Dabei entfernte der Handwerker die Gussnähte und den Gusszapfen und brachte bei Bedarf Verzierungen an. Abschließend wurde der fertige Gegenstand mit Sandstein auf Hochglanz poliert.
  

Die Elite

Schnell bildete sich während der Bronzezeit in Mitteleuropa eine gesellschaftliche Elite, die Macht und Reichtum in sich vereint. Die Mitglieder dieser Führungsschicht kontrollierten den Erzabbau, die Weiterverarbeitung des Metalls und den Nah- und Fernhandel. An der Spitze der sozialen Pyramide standen Kriegerhäuptlinge. Deren Statussymbol war das Schwert.
  

Göttergaben

Die häufigste Form des bronzezeitlichen Opferkultes im Alpenraum war die rituelle Versenkung von Votivgaben in Flüssen, Seen, Teichen und Quellen. Geopfert wurden vornehmlich Schwerter, Beile und Lanzenspitzen. Letztere finden sich auch als Weihegaben auf Passübergängen und Bergkuppen.
Am Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. breitete sich eine neue Form des Kultes aus, das  Brandopfer. Viele Plätze für Brandopfer liegen auf Anhöhen und Kuppen. Kennzeichnend sind mächtige Schichten verbrannter Tierknochen, die von den Dorfgemeinschaften während der Zeremonien im Feuer geopfert wurden. Durchmischt sind die tierischen Überreste mit Scherben von absichtlich im Verlauf der rituellen Handlungen zerschlagenen Keramikgefäßen.
  

Ein bronzezeitliches Dorf

Nahe Eppan bei Bozen gründete eine Dorfgemeinschaft in der Spätbronzezeit eine ausgedehnte Niederlassung. Ausschlaggebend für die Wahl des Siedlungsplatzes waren wohl die ertragreichen Böden und die Nähe zu einer bedeutsamen Wasserstraße, der Etsch, die von den Alpentälern in die Poebene und von dort an das Mittelmeer führt.
Das Dorf liegt auf einem Hang, der mit Trockenmauern terrassiert wurde. Die rechteckigen Hütten der Bewohner bestanden aus Holz, die Wände waren lehmverputzt. Zur Einrichtung gehörten gestampfte Lehmböden und viereckige Feuerstellen. Aus einer der Hütten stammt unter anderem eine bronzene Lanzenspitze. Zahlreiche Funde belegen die Anwesenheit von Handwerkern: Töpfer formten ihre Waren und verzierten sie mit Knochenstempeln, Bronzegießer stellten Metallgegenstände her. Die Endprodukte gelangten anschließend in den Handel. Lebensgrundlage der meisten Dorfbewohner blieben aber weiterhin Landwirtschaft und Viehzucht.