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Le “scarpe” e i gambali

Die Kleiderfunde vom Rieserferner

Wer überquerte vor über 2500 Jahren den Alpenhauptkamm am Rieserfernergletscher? In den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts kamen im Gletschereis auf 2800 m ü. d. M. zwei Beinkleider, zwei Beinlinge und zwei Socken ans Tageslicht. Vermutlich stammten sie von einer Person, die bei der Überquerung der Alpen verunglückte. Menschliche Überreste fanden sich jedoch keine. Der einstige Träger der Kleidung dürfte annähernd 1,70 m groß gewesen sein. Die einzelnen Stücke sind aus Wolle gefertigt und in unterschiedlicher Webtechnik hergestellt. Sie datieren in das 8.- 6. Jahrhundert v. Chr.

Wolle – Rohstoff für Kleidung

Während der europäischen Eisenzeit dienten die hauseigenen Schafe als Wolllieferanten. Nach dem Scheren musste die Wolle gewaschen, getrocknet, verlesen und gelockert werden. Dann begann die Arbeit mit der Handspindel zur Herstellung des Garns. Zum Einfärben des Garns kamen Pflanzenfarben wie Färberwaid (Isatis tinctoria) für blau oder Färberwau (Reseda luteola) für gelb zum Einsatz. Daneben wurden auch Mineralien (Rötel) oder tierische Färbemittel wie die Kermeslaus als roter Farbstoff verwendet. Die abschließende Herstellung des Gewebes mit Schussfäden und Kettfäden erfolgte an einem Senkrechtwebstuhl.
  

Unter die Lupe genommen – Die Webtechniken

Die eisenzeitlichen Beinkleider und Innenschuhe aus dem Rieserfernergletscher am Alpenhauptkamm sind in unterschiedlichen Webtechniken hergestellt. Das Paar Beinlinge besteht aus einem Gewebe in Leinenbindung. Längs- und quergerichtete Fäden verlaufen hier parallel zueinander. Besonders raffiniert: an der Außenseite des Beines endet das Gewebe mit einem geflochtenen Einsatz, der das Beinkleid elastisch macht. Die Beinlinge wurden als Strümpfe wohl direkt auf der Haut getragen.
Das zweite Paar Beinkleider diente als Hose und besteht aus dickerem Gewebe in Köperbindung. Köperbindungen erkennt man am schräg verlaufenden Grat. Daraus lassen sich wie im Falle der Rieserferner-Beinkleider Fischgrätmuster herstellen.
Die ebenfalls gewobenen Innenschuhe sind aus mehreren Streifen zusammengenäht. Im Zehenbereich und an der Ferse sind sie verstärkt. Beim aufnähen der Verstärkungen verwendete man unter anderem einen blau gefärbten Faden. Ein Rest davon ist auf der Sohle des linken Schuhs zu erkennen. Die zahlreich vorhandenen Flickstellen belegen, dass die Beinkleider und Innenschuhe vom Rieserfernergletscher wohl über längere Zeit hinweg getragen worden sind.
  

Spinnwirtel und Webstuhl

Während der europäischen Eisenzeit stellte wohl nahezu jeder Haushalt seine Alltagsbekleidung selbst her. Gewebeproben haben sich jedoch nur in den seltensten Fällen erhalten. Gewöhnlich belegen die Überreste von Arbeitsgeräten eine hauseigene Herstellung von Stoffen und Geweben. Dazu zählen zum einen die Spinnwirtel aus Ton oder Stein. Sie dienten als Schwunggewichte an der hölzernen Handspindel, mit der die Wolle zu Garn verarbeitet wurde. Webstuhlgewichte aus gebranntem Ton verweisen hingegen auf einen Webstuhl. Die Webgewichte hingen an den senkrecht verlaufenden Fäden des Gewebes, um es am Webstuhl auf Spannung zu halten.
Sowohl Spinnwirtel als auch Webgewichte finden sich auch als Beigaben in Frauengräbern. Dieser Umstand deutet darauf hin, dass das Weben wohl zum Aufgabenbereich der Frauen gehörte.
  

Die Restaurierung von Geweberesten

Die eisenzeitlichen Gewebereste vom Rieserferner-Gletscher am Alpenhauptkamm waren teilweise eingerissen. Größere Teile der Innenschuhe fehlten zur Gänze. Zu Beginn der Restaurierung mussten die Restauratoren alle Fasern von Erde und Schmutz befreien. Dazu tauchten sie die Innenschuhe zunächst in entmineralisiertes Wasser, wo mit sanften Bewegungen der Schmutz gelöst wurde. Die Beinkleider breitete man hingegen auf einer geneigten Tischfläche aus, um den Schmutz mit einem Wasserstrahl vorsichtig auszuspülen. Zum Trocknen wurde eine Plastikfolie und synthetische Baumwolle in die Beinlinge gelegt. Für die Positionierung in der Vitrine erhielten die Beinkleider schließlich ein Stützkorsett aus modernem Gewebe. Die Schuhe brachte man auf einem Schuhleisten aus Wolle an. 
  

Vorgeschichtliche Kleidung

Vorgeschichtliche Kleiderreste bilden eine seltene Ausnahme. Sie erhalten sich nur unter besonderen Bedingungen, wie etwa im Eis eines Gletschers oder im sauerstoffarmen Torfboden eines Moores. Daher sind die Kleidung des Mannes aus dem Eis und die eisenzeitlichen Kleiderreste, die vor einigen Jahren aus dem Rieserferner-Gletscher am Alpenhauptkamm geborgen wurden, von besonderer Bedeutung. Ötzi und seine Zeitgenossen verwendeten zur Herstellung ihrer Kleidung sowohl Leder und Felle als auch Gräser. Als Nähfäden dienten Tiersehnen, Woll- und Grasfäden. Die zeitgleiche Verwendung von gewebten Stoffen ist durch Funde aus Pfahlbausiedlungen belegt. Gewebte Stoffe entstehen durch die kreuzweise Verbindung von Kettfäden mit Schussfäden, also von senkrechten mit waagrechten Fäden. Sowohl Ötzi’s Kleidung als auch jene aus dem Eis des Rieserferner-Gletschers zeigen zahlreiche Ausbesserungen und Flickstellen. Kleidung wurde in vorgeschichtlicher Zeit also lange getragen und wenn nötig immer wieder selbst repariert.