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Die Gürtelgarnitur von Säben
Im Frühmittelalter tragen die vermögenden Männer der germanischen Stämme in Mittel- und Südeuropa auffällige silberverzierte Hüftgürtel und Waffengurte.
Eine solche vielteilige Gürtelgarnitur kam in Grab 231 von Säben zum Vorschein. Schnalle, Beschläge und Riemenzungen sind tauschiert. So heißt die Technik des Einlegens mit Metall. Der Gürtel gehörte zur Tracht eines Germanen, der in Säben bestattet wurde, und datiert in das zweite Viertel des 7. Jahrhunderts n. Chr.
- Unter die Lupe genommen – Tauschierarbeiten
- Völker aus dem Norden
- Prachtvolle Kleidung
- Germanischer Tierstil
Unter die Lupe genommen – Tauschierarbeiten
Tauschierte Metallarbeiten erleben im Frühmittelalter bei den germanischen Völkern der Franken, Alamannen, Langobarden und Baiern eine Blütezeit. Vor allem aus dem 7. Jahrhundert n. Chr. sind zahllose tauschierte Schnallen und Beschläge von Tracht- und Reitzubehör sowie der Waffenausrüstung überliefert.
Das Trägermaterial, also die Schnallen, Fibeln, Beschläge und Waffenteile selbst, bestehen gewöhnlich aus Eisen. Darin schnitten die Kunsthandwerker mit Stichel und Meißel Vertiefungen ein, die ein ornamentales Muster ergaben. In diese Vertiefungen hämmerten sie hauchdünne Drähte, Bänder oder Plättchen aus Silber, Messing oder Gold ein. Abschließend wurde die Oberfläche glatt geschliffen.
Völker aus dem Norden
Ab der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts n. Chr. besetzten germanische Völker dauerhaft die Apenninenhalbinsel. Um 569 n. Chr. ließen sich Langobarden in Oberitalien nieder. Die nördliche Grenze ihres Königreiches verlief südlich des Alpenhauptkammes bei Bozen. Vom Nordwesten her drangen die Franken über die Alpentäler immer wieder in das langobardische Reich ein. Ihre Streifzüge hinterließen deutliche Spuren. Befestigte Höhensiedlungen der Alpenbewohner werden immer wieder zerstört, die Bewohner als Geiseln genommen und nur gegen Lösegeldzahlungen wieder freigelassen.
Am Ende des 6. Jahrhunderts breitete ein weiteres germanisches Volk, die Baiern, seinen Herrschaftsbereich Richtung Süden aus. Vom nördlichen Alpenvorland im heutigen Süddeutschland kommend überquerten sie den Alpenhauptkamm. Laut schriftlicher Überlieferung siedelte ein bairischer Herzog etwa 100 Jahre später bereits in der Gegend von Bozen. Hier trafen die Baiern auf die Langobarden mit denen sie ein Bündnis eingingen.
Prachtvolle Kleidung
Während des europäischen Frühmittelalters trugen die wohlhabenden germanischen Männer prachtvolle Leibgürtel. Nach ihrem Ableben erhielten die Träger ihre Gürtel mit in das Grab. Da diese Kleidungsaccessoires modischen Tendenzen unterworfen waren und sich ihr Aussehen immer wieder veränderte, sind die Gürtel heute für Archäologen eine wertvolle Hilfe bei der zeitlichen Einordnung von Grabfunden.
So erfreuen sich im 6. Jahrhundert n. Chr. so genannte dreiteilige Gürtelgarnituren besonderer Beliebtheit. Deren Beschlagteile bestehen aus einer Gürtelschnalle, einer Endriemenzunge am gegenüberliegenden Ende des Lederriemens und einem Beschlag auf dem rückseitigen Abschnitt des Gürtels. In der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts n. Chr. setzte sich bei Alamannen, Baiern und Langobarden hingegen die vielteilige Gürtelmode durch. Neben einer Gürtelschnalle und einer Endriemenzunge hingen an diesen Ledergürteln noch bis zu einem Dutzend weiterer Nebenbeschläge. Davon gingen wiederum kurze Lederriemen ab, die in so genannten Nebenriemenzungen endeten. Das Resultat war ein mit tauschierten Beschlägen übersäter Prachtgürtel, den sich natürlich nur wohlhabende Männer leisten konnten.
Germanischer Tierstil
Kennzeichnend für die tauschierten Metallarbeiten des europäischen Frühmittelalters sind Verzierungen im germanischen Tierstil. Die Ornamentik ist eine Kombination aus nordischen Tierdarstellungen und Flechtbandmustern. Die Tierdarstellungen entwickelten sich im südlichen Skandinavien. Das Flechtband geht seinerseits auf mediterrane Einflüsse zurück. Die germanischen Völker begannen bald die nordische Tierornamentik mit dem mediterranen Flechtband zu kombinieren, woraus der germanische Tierstil entstand. Charakteristisch für die Darstellungen im 7. Jahrhundert sind stilisiert dargestellte Tiere mit bandförmigen Leibern, die sich ineinander verschlingen und verbeißen. Die einzelnen Tiere sind dabei nicht immer leicht auseinander zu halten und zu erkennen.

