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Die Ahornblätter des Mannes aus dem Eis
Auf seinem Weg über die Alpen trug der Mann aus dem Eis ein Gefäß aus Birkenrinden bei sich. Darin bewahrte er Glutreste zum Entzünden von Feuer auf. Die Glut wickelte er in frisch geerntete Spitzahornblätter, die ihm sozusagen als Isoliermaterial dienten. Bis heute enthalten diese Blätter Chlorophyll.
Feuer war lebenswichtig
Feuer war und ist ein ständiger Begleiter des Menschen. Nicht zufällig führte der Mann aus dem Eis ein Birkenrindengefäß als Glutbehälter mit sich. Feuer spendete den Menschen der Vorgeschichte nicht nur Wärme. Gekochte Nahrung ist weitaus leichter verdaulich als Rohkost oder rohes Fleisch. Keramik konnte nur mit Hilfe der Feuerhitze hergestellt werden. Dasselbe gilt für die Verarbeitung von Metall. Feuer war lebenswichtig.
Zum Entzünden von Feuer verwendeten die Menschen in der Urgeschichte über Jahrtausende hinweg ein „Feuerschlagbesteck“ bestehend aus einem Feuerstein, einem Pyritknollen und Zundermaterial. Der Mann aus dem Eis etwa trug einen trockenen Zunderschwamm zum Entfachen des Feuers bei sich. Daran hafteten feine Pyritspuren die belegen, dass auch Ötzi zur Erzeugung der Funken Pyritknollen verwendete, obwohl man keine mehr bei ihm fand. Im Mittelalter ersetzte Feuerstahl den Pyrit zum Funkenschlagen.
Rohstoff Pflanze
Bei der Herstellung der Ausrüstungsgegenstände des Mannes aus dem Eis kamen insgesamt 18 verschiedene Holzarten zum Einsatz. Seine Behälter bestanden aus Rinde; mitgeführte Schnüre und ein Netz hingegen aus Lindenbast. Aus demselben Material ist die Scheide des Feuersteindolches geknüpft. Eine Matte, die wohl als Regenschutz diente, wurde aus langen Grashalmen angefertigt. Die Schuhe zur Wärmeisolierung mit Heu ausgekleidet. Die Spitzahornblätter als Isoliermaterial zum Transport von Feuerglut mitgeführt. Die Palette der Pflanzen als Rohstofflieferanten ist enorm, das nötige Wissen darüber lebensnotwendig.
Seltenes Glück: die Funde aus organischem Material
Archäologische Funde aus organischen Materialien wie Pflanzen, Fell, Leder oder Gewebe bilden eine Ausnahme. Für ihre Erhaltung bedarf es bestimmter Umweltbedingungen. Ötzi und seine Ausrüstung wurden von Gletschereis umschlossen und gefriergetrocknet. Dasselbe gilt für die Beinkleider vom Rieserferner und allgemein für Funde aus Permafrostböden.
Günstige Bedingungen herrschen auch in Feuchtböden oder im Wasser. Der relativ geringe Kontakt mit Sauerstoff unter andauernd feuchten Bedingungen verlangsamt die Zersetzung von Holz, Gräsern und Gewebe. Derartige Bedingungen herrschen etwa im Umfeld von Pfahlbausiedlungen.
Auch in Torfmooren stoßen Archäologen bei Grabungen vermehrt auf organische Materialien. Verantwortlich dafür sind die im Moor vorhandenen Humin- und Gerbsäuren, durch die etwa Haut, Gewebe oder Haare regelrecht gegerbt und somit konserviert werden.
Metallsalze, die bei der Korrosion von kupfer- oder eisenhaltigen Metallen freigesetzt werden, können ebenfalls zur Erhaltung von Textilien beitragen. Voraussetzung dafür ist, dass sich die zersetzenden Metallgegenstände und die Textilien berühren.
Auch Feuer begünstigt die Erhaltung von organischen Resten. Dies ist insbesondere bei verkohlten Getreideresten oder Gegenständen aus Holz der Fall.


